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Hat
der Umgang mit Schmerzmit teln oder gar mit Drogen die Evo lution des
Menschen geprägt? Eine soeben in der Public Library of Science (Plos)
erschienene Arbeit enthält diese faszinierende Spekulation. "Seit
Jahrtausenden verwenden Menschen Opiate, um ihr Bewusstsein zu ändern
und Schmerz zu lindern", heißt es: "Unsere Daten deuten darauf hin,
dass in der Evolution unserer Art Veränderungen in der Produktion eines
endogenen Opioid-Vorläufers stattfanden, und dass diese Veränderungen
durch natürliche Selektion getrieben wurden."
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Die
Arbeit stammt von Biologen um Matthew Rockman an der Duke University
(North Carolina, USA), mitgewirkt hat Fritz Zimprich von der
Medizinischen Universität in Wien. Er erklärt: "Es geht um das Gen für
Prodynorphin: Dieses Neuropeptid wirkt als ,Superregulator', Wächter
gleich mehrerer Regelkreise im Hirn, die es, wenn nötig, unterdrücken
kann. Etwa Regelkreise für Schmerz und Motorik - daher besteht ein
Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit -, und der Regelkreis für
Gedächtnis, der auch die Epilepsie beeinflusst."
Im
Zuge der Epilepsieforschung entdeckten Zimprich und sein Bruder
Alexander vor vier Jahren eine Variation in diesem Gen, genauer gesagt,
in dessen Promotor, also einem DNA-Abschnitt, der die Aktivität des
Gens regelt. Just die DNA-Sequenz, an der der Faktor bindet, der die
Expression des Gens auslöst, kommt bei verschiedenen Menschen in
verschieden vielen Kopien vor: ein-, zwei-, drei- oder viermal. Die
Zimprich-Brüder fanden, dass Epileptiker mit ein oder zwei Kopien zu
häufigeren Anfällen neigen.
Wie
unterscheidet sich diese - 64 Basen lange - Sequenz von der
entsprechenden Sequenz im Schimpansen-Genom? Auf zweierlei Art. Erstens
durch fünf Basen-Änderungen, die alle Menschen von allen Schimpansen
unterscheiden - und offenbar bewirkt haben, dass die
Prodynorphin-Produktion bei allen Menschen leichter angeworfen wird.
Zweitens aber haben alle Schimpansen nur eine Kopie dieser Sequenz, bei
Menschen sind das nur (mehr?) ein bis zwei Prozent. "Offenbar wirkte
starker positiver Selektionsdruck auf diesen Promotor", meint Zimprich:
"Dabei kann man zwei Phasen unterscheiden. Einmal in der Evolution vom
Menschenaffen zum Menschen, also vor sechs Millionen Jahren oder
später. Einmal in der Evolution von Homo erectus zu Homo sapiens, also
vor zirka 150.000 bis 100.000 Jahren."
Prodynorphin
ist der Vorläufer von Opioiden, von körpereigenen Substanzen also, die
an den gleichen Rezeptoren angreifen wie Opiate. Das meinen Rockman und
Kollegen, wenn sie vermuten, dass der Umgang mit Opiaten die Evolution
dieses Gens geprägt haben könnte. Gesteigerte Schmerzempfindlichkeit
durch allmählichen Verlust des Haarkleids könnte mitgespielt haben. Für
einen solchen Zusammenhang spricht auch, dass man eine Korrelation der
Kopien-Häufigkeit im Promotor-Abschnitt mit Kokainsucht kennt: weniger
Kopien, stärkere Neigung zur Abhängigkeit.
Zimprich
könnte sich auch vorstellen, dass die Evolution des
Prodynorphin-Promotors mit der Entwicklung der Lernfähigkeit zu tun
hat. Und damit mit der Neigung zur Epilepsie, die entstehe, wenn der
Gedächtnis-Regelkreis überschießt. "Wir wissen etwa, dass Kinder, die
zu Fieberkrämpfen neigen, im Durchschnitt höhere Gedächtnisleistungen
erbringen."
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